BIBLIONEN

 

Buch BIBLIONEN

 

 
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Kunst im Zeitalter der ‚Biblionen’

Kunstatelier in der Kirche

Während der Karwoche 2011 richtete die Künstlerin Vera Staub ihr Atelier in der St. Josef Kirche (Maihofkirche) in Luzern ein. Sie lebte und arbeitete in dieser Zeit im westlichen Eingangsbereich des Kirchenraums. Besucherinnen und Besucher konnten die Entstehung der ‚Biblionen’ mitverfolgen und, so sie wollten, daran mitwirken. Am Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag sowie an Ostern und Pfingsten wirkten dann die ‚Biblionen’ an den Gottesdiensten jeweils mit.

Die Biblionen sind meditative Installationen, die auf grundlegenden Aussagen der Bibel, dem Kerngut unseres ethisch-moralischen Selbstverständnisses, unserer Kultur basieren. Die Biblionen sind demnach vielfältig einsetzbar. In der Maihofkirche fügten sie sich zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Mysterium der Osterliturgie – die ihrerseits die theologische Wirklichkeit des christlichen Erlösungspathos in sich zusammenfasst. Geburt, Leben, Tod und Auferweckung. Das Mysterium des ewigen Ineinanderübergehens der Gegensätze.

Als expressiver, sich vorzugsweise mit Pinsel auf Papier ausdrückende Zeichnerin und als  ausgebildeter Bildhauerin ist Vera Staub der intime Kontakt zum Material vertraut. Das Arbeiten mit Installationen erleichtert hingegen das Mitwirken, macht den aktiven Einbezug des Betrachters und der Betrachterin in der Regel erst möglich. Auch hier ist der oftmals delikate Moment, in dem sich der Betrachter aus der passiven Anschauung herauslocken und zur Partizipation anregen lässt, für Vera Staub stets ein wichtiger Anreiz, alle Risiken und Möglichkeiten zuzulassen, die mit dem Angebot der Erfahrung alleweil einhergehen. Was den Einen als Tabubruch erschüttert, kann einer Anderen als längst erhoffte Eröffnung geschehen.

Auf formaler Ebene, etwa derjenigen des Künstler-Betrachter-Verhältnisses, aber noch viel tiefgreifender im Bereich des Inhaltlichen beschäftigt sich Vera Staub aus den Möglichkeiten der bildenden Kunst heraus mit der Erfahrung des Übergangs. Mittlerweile ist daraus ein ganzer, nach vorne offener Projektzyklus geworden, mit Schlüsselstationen wie „Metamorphose des Kreuzes“ (Einsiedeln, Kreuze der Gegenwart, 2001), „Schwangerkeit“ (Turbine Giswil, 2006), „Romperemos un pilar“ (Wanderausstellung, Schweiz, 2008) und den „Biblionen“ (Luzern 2011). 

Eine Besonderheit der Biblionen ist die Wiederverwendung von Elementen aus früheren Projekten, wie z.B. der Epoxy-Schleier des „Schwangeren Sargs“ (Kloster Fahr), der in „Romperemos un pilar“ eine wichtige Rolle spielte und dem unlängst sogar eine eigene Publikation gewidmet worden ist (Und er gab mir einen Stein. Eine Kunstaktion zur Flüchtigkeit des Lebens. Vera Staub, Brigitte Schmid-Gugler, mit einem Briefwechsel mit Silja Walter, Herisau: Appenzeller Verlag, 2010

Projekt: Vera Staub & Text: Stephan E. Hauser
Ebikon / Basel, 24. Juli 2011

Fotos Roger Levy, www.kulturtv.ch

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