PAPILONEN
2000 / 2001
 
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Pressetext zur Ausstellung des Kunstprojekts "Auszug der Papilonen" von Vera Staub in der Galerie am Buttermarkt in Köln. Eröffnung am 23. August 2002.
 

Seit 1999 fertigte die Künstlerin Vera Staub, wohnhaft in Ebikon bei Luzern (Schweiz), etwa 15, von ihr "Papilonen" genannte semi-abstrakte Figuren; 2 bis 3 Meter hohe Gestalten aus einfachsten Materialien wie Lumpen, Schaumstoff, Kablen, Klemmen udgl., mit Kunstharz wetterfest gemacht. Diese Gestalten wurden von ihr anschliessend bei mehreren Gelegenheiten - in der Schweiz und in Deutschland - vorgestellt. Dabei war das Publikum stets aufgefordert, die Figuren neu zu gruppieren und mit zusätzlich bereit gestelltem Material zu verändern. Die vorgenommenen Veränderungen wurden von der Künstlerin laufend dokumentiert. Eine Auswahl der dabei entstandenen Fotografien wird nun in der Galerie am Buttermarkt erstmals vorgestellt.

Mit dem "Auszug der Papilonen" sucht Vera Staub dem von der Moderne vererbten Thema der Entfremdung zwischen den drei Bezugseinheiten Künstler, Kunstwerk und Publikum neue künstlerische Impulse abzugewinnen. Die aktiven Eingriffe des Publikums haben zur Folge, dass es sich als Publikum nicht mehr auf die Rolle des passiven Betrachters reduziert begreifen kann. Für die Künstlerin bedeutet die Massnahme zugleich den Abschied von der alleinigen Künstlerautorität. Damit schliesst das Kunstprojekt "Auszug der Papilonen" an die Funktion der interaktiven Kunst an, deren Wurzeln in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zurückreichen. Gleichzeitig überwindet Vera Staubs Konzept herkömmliche Grenzen. Denn während die interaktive Kunst in ihren Anfängen die Kluft zwischen Kunst- und Massenpublikum thematisierte, indem sie vorgab, sie spielerisch zu überwinden, und ihre diversen Ausdrucksformen der 60er Jahre primär darauf abzielten, ein abhanden gekommenes Publikum als Kunstmaterial künstlerisch wieder verfügbar zu machen, geht Vera Staub deutlich über diese Ansprüche hinaus. Ihr Ziel ist die Versöhnung des Künstlers mit dem Publikum - indem sie das Vorkommen des Künstlers in der Welt mit dem Zustandekommen des Kunstwerks in der direkten körperlichen Beteiligung ihres Publikums verortet.

In ihrer Erscheinungsform erinnern die Papilonen an jene rastlosen, furchteinflössenden und zugleich faszinierenden Aussenseitergesellschaften, die in der Schweizer Kunst, etwa in den Reisläufern eines Urs Graf im 16. Jahrhundert, in den Landsknechten eines Ferdinand Hodler und in den lärmenden Maschinengestalten zeitgenössischer Plastiker wie Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl die Selbstwahrnehmung einer ganzen Kultur mitbestimmten. weiter


 
VERA STAUB
 
schnelle Arbeiten
nextil
Vom Blitz getroffen
Papilonen
Zeichnungen
über den Dächern
 
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langsame Arbeiten